Die Hinfahrt
Anreise zur Fähre
Unsere Anreise zur Fähre, die in Hanstholm, an der Nordspitze Dänemarks gelegen, ablegen sollte, geschah bequem
per Bahn und mittels Bustransfer. Die Mitnahme der Räder stellte dabei nie ein größeres Problem dar: Die Bundesbahn
stellt in der Regel Stellplätze zur Verfügung und den Bustransfer hatten wir rechtzeitig gebucht.
In Hanstholm angekommen hieß es zunächst "warten". Warten im beheizt-staubtrockenen Wartesaal, warten während des
Spaziergangs durch den ach so riesig geratenen Hafen, warten auf den ersten Blick auf die einlaufende Fähre, Abwarten
des Anlegens und des Ablademanövers. Hierbei stellte sich heraus, daß dieses Jahr nur wenige Radfahrer unterwegs waren.
Vielleicht haben wir fünf, höchstens acht gezählt, die da an Land rollten, und auch wir bestiegen mit nur wenigen
Gleichgesinnten das Schiff.
Am frühen Abend verfolgten wir ruhigen und gleichermaßen nervösen Blicks, wie die Küste Dänemarks ins Meer rutschte
und wir uns auf dem Weg zu den Faröer Inseln wähnten.
Aufenthalt auf der Fähre
Wer die Zeit während einer Fährüberfahrt schon einmal überbrücken mußte, der kennt die einem offenstehenden geringfügigen
Möglichkeiten des Schiffkomforts. Wir haben gelesen. Gute Mahlzeiten halfen überraschenderweise gegen Seekrankheit.
Till, der alte Vogelexperte, "tickte" - will sagen bestimmte - fleißig Vögel und versuchte den einen oder anderen
Schnappschuß von Eissturmvögeln und Baßtölpeln; eine schönschreckliche Skua blieb in sicherer Distanz.
Und nicht zuletzt planten wir unsere Islandroute und träumten von der Bewältigung von Sprengisandur.
Intermezzo auf den Faröer Inseln
Bereits 1996 legten wir die Reise nach Island per Schiffspassage zurück und bereits 1996 mußten wir einige Tage - gute
60 Stunden - auf den Faröern aussteigen.
Letztes Mal wie dieses Mal verhieß uns die Ankunft schönes Wetter, doch beide Male endete es in Regen und Nebel,
so daß uns beiden die Faröer Inseln stets in Verbindung mit Regen vor dem geistigen Auge der Erinnerung sein werden.
Die Faröer sind ganz typische Atlantikinseln mit kahlen, hochaufragenden Felsen, die immerhin von dürftiger Vegetation
überzogen und zumeist von Wolken oder Nebel verhangen sind. Die Hänge zeigen tiefe Einschnitte durch abfließende Wasser;
für durstige oder badefreudige Radfahrer genau das Richtige.
Die Tristesse des Landes und der Nebel übten auf uns eine merkwürdige Faszination aus. Trotzdem haben wir keine längere
Radtour unternommen, weil die Witterung wenig einladend war. So verblieben wir einen Wartetag im Zelt, um am nächsten
Morgen wieder rechtzeitig nach Torshavn zu radeln, denn wir hatten immerhin 30 km bis zum Hafen zu fahren. Auf dem Weg
durchfuhren wir einen Tunnel in Richtung Torshavn, der gottseidank eine Beleuchtung hatte und uns außerdem einen
deftigen Anstieg ersparte.
In Torshavn versorgten wir uns mit den letzten Notwendigkeiten wie Brot und Getränke sowie die eine oder andere Leckerei,
Produkte, die auf dem Schiff atemberaubend überteuert waren, wärmten uns während eines Kaffees wieder auf und schickten uns
an die letzte Etappe nach Island hinter uns zu bringen.
Island in Sicht
Die überfahrt sollte nur eine Nacht dauern - wir mußten Island am nächsten Morgen erreichen. Aber was für eine Nacht.
Der Himmel war sternenklar und es war klirrend kalt. Die See war sehr aufgebracht - an einen geruhsamen Schlaf konnte ich
jedenfalls nicht denken. Erst im Morgengrauen beruhigte sich das Wasser.