29. August - Letzte Etappe nach Egilstaðir und weiter nach Seyðisfjörður
[ Karte ]
Das Wetter hatte sich nicht wesentlich gebessert, es war immer noch naß, kalt und grau, aber irgendwann mußten wir uns ja mal in Richtung
Fähre aufmachen. Die Strecke führte uns am Ufer des Lagarfljóts durch eines der größten Waldegebiete Islands, in dem 55 Baumarten zu
finden sind.
Mit zunehmendem Gegenwind hörte zumindestens der Regen auf. Zwischendurch überholte uns ein Traktor und ich ergriff die Chance, mich einige
Kilometer in seinem Windschatten mitnehmen zu lassen. In Egilstaðir versorgten wir uns mit Lebensmittel für die Fährfahrt (es gibt
auch einen Supermarkt in Seyðisfjörður, dann braucht man das Mehrgewicht nicht über den letzten Paß zu schleppen), tranken
noch einen Kaffee und bereiteten uns seelisch auf die letzte Steigung vor.
Die Fahrt auf den Paß schien uns von dieser Seite immer die leichtere zu sein. Andreas suchte sich beim Aufstieg eine Begleitung, ich
strampelte alleine bergan. Oben angekommen packten wir uns dick ein, wir hatten die eiskalte Abfahrt von vor fünf Jahren noch in
unguter Erinnerung, und sausten bei Nebel und Nieselregen in Richtung Seyðisfjörður.
Wir entschieden uns noch einmal, den Zeltplatz aufzusuchen, nach der langen Abfahrt war eine warme Dusche war doch zu verlockend.
Die Rückfahrt
Vor der eigentlichen Rückfahrt stand das Warten auf die Fähre. Passend zur Einstellung der Isländer, was den Status des Fahrrades angeht,
kamen die Radfahrer als die Allerletzten auf die Fähre. Das bedeutete etwa zwei Stunden Warten und Zusehen, wie alle PKWs an uns vorbeizogen.
Als die Fähre dann den Hafen verließ, sahen wir der sich immer weiter entfernenden Küste etwas wehmütig hinterher. Die Rückfahrt
verlief unspektakulär. Wir hatte tolles Wetter, es wehte fast kein Wind und die Sonne zeigte sich oft, so daß wir uns sogar noch sonnen
konnten.
Da uns das Essen auf der Fähre zu schlecht und zu teuer war, packten wir am zweiten Abend unseren Trangia aus und kochten uns selber was.
Ein aufmerksamer Passagier war leider so ordnungsbewußt, daß er uns bei der Mannschaft verpfiff. Wir wußten ja eigentlich, daß offenes
Feuer an Bord verboten war, aber was sollte bei der geringen Menge Spiritus schon passieren? Egal, so waren die Vorschriften, und wir sahen
unseren Kocher erst eine Stunde vor Einlaufen des Schiffes wieder.
Abends trafen wir pünktlich in Flensburg ein, der Zug nach Hamburg wurde noch erreicht. Deutschland hatte 1:5 gegen England verloren,
aber sonst war alles in Ordnung. Wir hatten die letzten drei Wochen heil überstanden und waren um viele Erfahrungen und Eindrücke reicher.
Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wann wir diese faszinierende Insel das nächste Mal betreten werden...?