Das Fahrrad
Das Fahrrad, eine Komponente der Tour, auf die wir uns verlassen können mußten. Als wir uns in Vorbereitung auf unsere
Touren verschiedene Reiseberichte durchlasen, war uns schnell klar, daß das klassische Reiserad für Island weniger geeignet
ist, vor allem, wenn man plant, ins Hochland zu fahren. Und das war schließlich eines unser großen Ziele.
Wir entschlossen uns also für die stabilere Variante: Das Mountainbike. Dabei hatten wir bei unseren zwei Touren durch
Island die Möglichkeit, gleich drei Modelle auszuprobieren. Während Andreas beide Male auf das gleich Pferd setzte, ein
Longus Competition XT, ersetzte ich bei dem zweiten Ausflug nach Island mein altes Longus (Baujahr 1989, noch mit einem
filigranen CrMo-Rahmen) durch ein Specialized Stumpjumper M2. Im Nachhinein können alle drei Modelle empfohlen werden.
Die Ausstattung der Räder war bezüglich Schaltung und Laufräder ziemlich gleich. Die Erfahrung zeigte, daß wir uns auf höherwertige
Felgen und Komponenten aus der Shimano XT-Reihe (oder wenigstens LX) voll und ganz verlassen konnten. Wie wichtig die Bremsen
in Island sind, merkt man spätestens, wenn man vollbepackt die ersten Gefällstrecken herunterrollt. Ich entschied
mich bei der Tour 2001, die guten Shimano XT-Cantileverbremsen durch Magura
HS33 zu ersetzen. Sie sind etwas gutmütiger als
V-Brakes (ohne dabei schlechter zu bremsen) und sind wegen des Hydrauliksystems wesentlich weniger anfällig für Schmutz und Wasser.
Andere Komponenten sollte man sich nach seinem Geschmack auswählen. Versucht man die Waschbrettpisten etwas ebener zu gestalten
und montiert eine Federgabel? Gibt man Klick-Pedalen den Vorzug (moderne Klick-Pedalen sind wesentlich weniger anfällig gegenüber
Schmutz als die ersten Modelle)? Ich konnte für mich auf jeden Fall behaupten, daß ich meine Räder schon lange vorher eingefahren hatte
und mich auf ihnen sehr wohl gefühlt habe. Nicht ganz unentscheidend, wenn man eine längere Fahrradtour in Angriff nehmen will...
Gepäckträger & Lowrider
Wenn man seine gesamte Ausrüstung über Islands Straßen transportieren will, dann müssen Gepäckträger und Lowrider von der stabilsten Sorte
sein. Wie gut sie wirklich sind, weiß man erst, wenn man wieder heil zu Hause angekommen ist, oder man mit einer gebrochenem Strebe
im Hochland steht.
Andreas tauchte 1996 mit einem eher "klassisch" anmutendem Alu-Gepäckträger auf, was mich schmunzelnd zu der Frage veranlasste,
wo er denn seinen Fahrradkorb gelassen hätte? Dieser Gepäckträger überstand auch die zweite Reise ohen Probleme. Mein Alu-Gepäcktrager
(ein Blackburn-Nachbau) brach mir 1996 gegen Ende der Reise im Hochland. Nach diese Erfahrung setzte ich 2001 auf den Gepäckträger
"Cargo" und den Lowrider "Tara" der Firma Tubus, wohl eine der renommiertesten Hersteller auf
diesem Gebiet. Sie überzeugen durch durchdachte Detaillösungen und sind aus dünnwandigen Stahlrohren gefertigt, was die Gefahr
eines Brúches gegenüber dem Werkstoff Alu geringer hält. Den höheren Anschaffungspreis habe ich dafür gerne in Kauf genommen.
Etwas Fummelarbeit bereitete das Anbringen des Lowriders an eine Fehlergabel. Tubus bietet ein System an, mit dem man mittels
Schellen und an dem Lowrider anzubringenden Metallaschen den Träger auch an großvolumigen Gabelrohren ohne Anlötteile anbringen kann.
Meine anfänglich Skepsis gegenüber der Haltbarkeit wurde nicht bestätigt, das System hielt bombenfest.
Taschen
Kommt man in Island an Ortlieb vorbei? Wir machten keine Kompromisse und gingen auf Nummer sicher.
Die Taschen, egal, ob es sich um die klassische oder um die "light" Version handelte, enttäuschten uns nicht, sie hielten absolut wasser-
und staubdicht und waren resistent gegen Abrieb. Selbst die Furten konnten wir mit angeschnallten Taschen durchqueren,
und dabei waren zumindestens die Lowrider-Taschen zeitweise komplett eingetaucht. Vielleicht erfüllen die Nachbauten es auch,
ich würde aber auf jeden Fall auf Taschen verzichten, für die man eine zusätzlich Regenhülle mitnehmen muß.
Die Wasserdichten Säcke (Ortlieb/Four Seasons), die wir für sperrigere Gegenstände wie Zelt, Isomatte und Kocher nutzten,
erfüllten ihren Zweck ebenfalls. Allerdings erwiesen sie sich als nicht sehr widerstandsfähig gegen Abrieb, so daß wir des
öfteren mit Tape flicken mußten.
Bei Lenkertaschen schieden sich die Geister. Nachdem sich 1996 bei mir der komplette Lenkertascheninhalt durch das ständige
Geschüttel in seine Bestandteile zerlegt (inklusive Kamera, Objektive und Fernglas), beschloss ich diesmal, alle sensiblen Teile
in einem Deuter "Superbike L" Fahrradrucksack zu transportieren, was sehr gut funktionierte.
Andreas hatte seine Lenkertasche wohl besser ausgewählt. Er entschied sich für eine Lenkertasche von
Jack Wolfskin mit ausgeklügelter Halterung. Leider war sie nicht wasserdicht und
hatte keine Kartentasche.
Werkzeug
Was soll man alles mitnehmen? Sicherlich muß man aufgrund des Zusatzgewichtes einige Kompromisse machen. Mit den Erfahrungsberichten
anderer Radfahrer im Hinterkopf, in denen von Speichen- oder sogar Rahmenbrüchen, gerissenen Ketten oder gebrochenen Gepäckträgern
berichtet wird, möchte man am liebsten die gesamte Werkstatt einpacken, vor allem, wenn man sich ins Hochland aufmachen will.
Ganz so weit muß man es sicherlich nicht treiben. Allerdings sollte man in der Lage sein, Bremsen und Schaltung zu reparieren
und einzustellen (man sollte auch an gerissene Bowdenzüge denken), eine gerissene Kette zu flicken, gebrochene Speichen
zu ersetzen und Schläge in den Laufrädern wenigstens notdürftig zu beheben. Als nahezu geniales Tool erwies sich das
Topeak "Alien XL", das alle wichtigen Werkzeuge (inklusive Kettennieter) auf engstem Raum
bereitstellt. Weiterhin sollte man einen Zahnkranzabzieher (Speichen reißen meistens auf der Seite des Zahnkranzes, da dort
die Spannung am stärksten ist) und auf die richtige Länge gekürzte Speichen mitnehmen. Bei
Globetrotter entdeckte ich flexible Speichen, die ich wahrscheinlich auch ohne
Abnehmen des Zahnkranzes hätte einsetzen können.
Speziell im Hochland sind die Mäntel starker Beanspruchung ausgesetzt. Der Abrieb beim Fahren über die Lava ist extrem, daher sollte
man mit relativ neuen Mänteln starten und einen als Ersatz mitnehmen.
Falls man mit ausgefalleneren Teile unterwegs ist, wie z.B. mit Magura
Bremsen, dann sollte man daran denken, daß, wenn man überhaupt
einen Fahrradladen erreicht, der wahrscheinlich nicht mit diesen Teilen umgehen kann. Ich hatte daher ein komplettes
Reparaturset für meine Bremsen im Gepäck (und konnte damit auch umgehen).
Weiterhin sollte man einige allgemein nützlichen Werkzeuge (wie z.B. eine Rohrzange) einpacken. Eine gute Idee eines anderen
Tourenradlers in Island fand ich, kurze Metallstreben und Schellen mitzunehmen, um gebrochene Gepäckträger zu richten.
Bei allen Vorsichtsmaßnahmen (oder gerade deshalb?), wir sind auf beiden Touren, trotz härtester Beanspruchung des Materials
im Hochland, fast nicht in die Situation gekommen, unser Werkzeug zu gebrauchen. 1996 kamen wir mit einem Platten, einem gebrochenem
Gepäckträger und einer lockeren Speiche davon. Fünf Jahre später, mit etwas mehr Erfahrung, passierte überhaupt nichts mehr.
Darauf sollte man sich für die nächste Tour sicherlich nicht ausruhen, ich denke aber, mit einigermaßen vernünftigem Material
und entsprechender Vorbereitung kann man das Risiko minimieren.