Ankunft auf Island in Seyðisfjörður und erste Tagestour
[ Karte ]
Der frühe Morgen des 16. August brachte die Küste Islands in Sicht. Die zackigen und charakteristisch-scharfkantigen
Gebirgszüge, die bereits vom Wasser aus sichtbar waren, flößten uns Respekt und Neugier ein. Wie sollte die Tour
dieses Mal wohl verlaufen?
Wetterfrösche hatten bereits eine Woche zuvor eine günstige Witterung für diesen Donnerstag vorausgesagt. Wir
hielten die Vorhersage für zu gewagt über einen so langen Zeitraum. Doch die Meteorologen hatten sich nicht getäuscht
- die Ankunft war bei wunderbarem Wetter: etwa 12°C, klare Sicht und vereinzelt unbedrohlich weiße Wolken in ungefährlicher Höhe.
Die Wettervorhersagen waren insgesamt gesehen tatsächlich recht zuverlässig. Eine Faustregel ließ sich nach dem
Kriterium "Windrichtung" ableiten: Nordwind brachte während unserer Tour stets eine dichte, tiefhängende Wolkendecke
und früher oder später Regen mit sich. Wind von Süd oder Südwest war hingegen fast ein Garant für klaren Himmel und
einen regenfreien Tag.
Wir rollten vom Schiff, dann direkt durch ein Infektionsbad gegen die schreckenverbreitende Maul- und Klauenseuche,
verließen den Kai und stoppten ein letztes Mal, um unser Gepäck zu sortieren und alle Schrauben nachzuziehen. Unser
Fernziel hieß: Irgendein geschützter Zeltplatz, der uns sauberes Wasser zum Waschen und Kochen garantierte - auf dem Weg
Richtung Melrakkasletta.
Es sollte also unserem Plan nach über die Küstenroute nach zum Mývatn gehen. Nach kurzer Station weiter zum Goðafoss
und dann Richtung Süden durch Sprengisandur. Soweit der Plan.
Die Route sieht auf der Karte und auf Papier geschrieben ganz einfach aus; eine einfache Rundtour in insgesamt 14 Tagen.
Pro Tag rechneten wir mit einer durchschnittlich zurückzulegenden Distanz von 70-80 km. Klingt gut, oder?
So rollten wir frohgemut los und wußten um die kommenden Anstrengungen der nächsten zwei Stunden, denn der Weg nach Egilstaðir,
der einzige aus Seyðisfjörður heraus, ist vermauert durch einen Paß über 610 m. Der mitunter 12 prozentige Anstieg zieht
sich über lange Kehren über etwa 8 km hin.
Auf dem Weg nach oben ist man stets mit sich allein beschäftigt. Der eine fährt einen dicken Gang, der nächste bedient den
Kinderteller und fährt einen kleinen Gang. Nun, ich nahm den kleinen Gang. Passierende Wohnmobile sorgten bei riskanten
Überholmanövern für den einen oder anderen temporären Herzstillstand, aber grundsätzlich machte der Berg die Tour an
dieser Stelle zu Tortur. Till - der Mann für die großen Gänge - war etwa 20 min vor mir oben und wir trafen uns am Ende
des Passes zur gemeinsamen Abfahrt nach Egilstaðir. Damit waren die ersten 25 km so gut wie im Sack, wir fühlten uns gut
und die erste Härteprobe hatten wir beide überstanden.
Nachdem wir uns in Egilstaðir noch einmal mit Lebensmitteln eindeckten, radelten auf der Ringsdtraße (1) in Richtung Norden. Kurz
hinter der Brücke über den Jökulsá á Dal bogen wir auf die 917 in Richtung Vöpnafjörður ab und stellten nach 10 km unser Zelt an
einem kleine Fluß auf.